Vogelschießen
Vogelschießen am Montag
Das Vogelschießen findet alle zwei Jahre, jeweils am Schützenfest-Montag statt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger finden sich auf dem schönen Hof des Burghaus Freseken ein und betrachten gemeinsam mit den anwesenden Jägern und Schützen ein spannendes Schießen um die Königswürde. Das Schützenfest mit dem Schuss auf den Vogel ist kontinuierlicher - nur mit kleinen Unterbrechungen in Kriegszeiten - gefeiert worden und kann daher als älteste und traditionsreichste Veranstaltung Neheims nach den Donatorenfeierlichkeiten bezeichnet werden.
| Lesen Sie mehr über das - Vogelschießen in Neheim und im - Allgemeinen und rufen Sie die - ehemaligen Königspaare der Bruderschaft auf. |
Über das Vogelschießen in Neheim
Als Nachweis für das Vogelschießen schon kurz nach Gründung unserer Bruderschaft existiert der Königsorden aus dem Jahre 1608. Sicherlich sind jedoch auch schon vor diesem Datum Vogelschießwettbewerbe ausgetragen worden.
Hatte
unsere Bruderschaft den Platz des Vogelschießens viele Jahre lang neben
der ihr gehörenden Schützenhalle und späteren Volkshalle, musste die
Vogelstange nach der Möhneflut, die das Gebäude zerstörte, an anderer
Stelle wieder errichtet werden. Für viele Jahre war ihr Platz somit
unterhalb des Wiedenberges.
Das
Vogelaufsetzen fand in früheren Jahren nach dem Schützenhochamt am
Samstagnachmittag statt. Der Vogel verblieb bis zum Vogelschießen am
Montagmorgen auf der Stange, was dazu führte, dass er am Wochenende
auch schon mal durch Nichtbefugte „entfernt“ wurde. Daher wurde der
Vogel viele Jahre erst nach dem Schützenhochamt am Montagmorgen auf die
Vogelstange aufgesetzt, damit das Wettschießen zwischen den Schützen
bzw. Königsanwärtern beginnen konnte. Vor einigen Jahren änderte sich
dieser Ablauf jedoch:
Nachdem
auch das Schützenhochamt auf den Samstagnachmittag vorverlegt wurde,
gehörte und gehört noch heute auch das Vogelaufsetzen zum Programm des
Samstags. Im Festzug, gemeinsam mit dem Jägerverein, wird der Vogel zum
Fresekenhof getragen und dort auf die Vogelstange aufgesetzt, jedoch
nach dem Festakt wieder abgenommen.
Die Musikkapellen bilden den musikalischen Rahmen, wobei das Abspielen
des Großen Zapfenstreiches den feierlichen Höhepunkt dieses Festaktes
bildet.
Das
Vogelschießen selbst findet nach wie vor am Montagmorgen statt. Nach
den Ehrenschüssen durch die kirchlichen Würdenträger, den
Bürgermeister, den noch amtierenden König, durch die Königin, den
Schützen- und den Jägeroberst sowie den Ehrenoberst der Bruderschaft
finden sich die Anwärter für die Königswürde zum Schießwettkampf unter
der Vogelstange an den Gewehren ein. Sie schießen abwechselnd bis der
letzte Rest des Vogels fällt. Die Bevölkerung nimmt regen Anteil an
diesem spannenden Wettkampf und wartet gespannt und bis zuletzt, wer
den letzten Schuss, den Königsschuss, setzt.
Ist
dieser gefallen, nehmen die Schützenbrüder den erfolgreichen
Königsanwärter unter großem Jubel der Schützen und der Bevölkerung auf
die Schultern und rufen ihn zum neuen Schützenkönig aus. Es folgt die
erste Gratulationscour mit vielfachem „Horrido“, Händeschütteln und
Schulterklopfen. Abschluss der Zeremonie auf dem Fresekenhof bildet die
Bekanntmachung, wen der König sich zur Königin auserkoren hat. Es folgt
der Festzug ins Festzelt zur dort stattfindenden Königsproklamation.
Das
Vogelschießen erlebte im Laufe der Zeit viele Hochs mit zahlreichen
Bewerbern, toller Stimmung und bestem Wetter, aber auch Tiefs bei sehr
geringer Anzahl von Wettbewerbern um die Königswürde oder mit
Zuschauern unter Regenschirmen:
Einige Begebenheiten aus der Chronologie:
1952
In diesem Jahr wurde erstmals auf den Vogel, der auf der am Wiedenberg neu installierten Vogelstange aufgesetzt war, geschossen.
1959
Die Vogelstange, die anlässlich des Jägerfestes im Jahre
1958 durchgebrochen war, musste ersetzt werden. Der Jägerverein
beschaffte eine neue Stange, die zwar imprägniert aufgestellt, doch
erst 1960 in neutralem Weiß lackiert wurde.
Zur Erinnerung an das Vogelschießen 1708 wörtlich aus dem Protokollbuch der Stadt:
„2. Juni 1708: Den Vogel nachmittags hora 5 die H. Schützen
aufgesetzen wollen, ist der Vogelbaum über der Schere plötzlich
abgebrochen. Es ist daher nächstfolgenden Tages zur Scheibe geschossen;
die Scheibe ist aufgestellt worden unter den Bäumen zwischen der Möhne
und der Mühlenschlacht.“
1964
Aus Sicherheitsgründen wurde ein Kugelfang montiert, dessen Finanzierung sich unsere Bruderschaft und der Jägerverein teilten.
1971
Beim Vogelschießen ging es spannend zu: Die beiden verbleibenden
Königsanwärter Heinz Heppelmann und Franz Glaremin entschlossen sich
zum Pinnchen-Ziehen. Der Gewinner des Spiels sollte den nächsten Schuss
auf den Vogel abgeben. In der
Endabrechnung wurde Heinz Heppelmann viel gefeierter Schützenkönig.
1982
In diesem Jahr feierte die Schützenbruderschaft ihr 375-jähriges Jubiläum.
Die Vogelstange musste auf Grund von Straßenbaumaßnahmen unterhalb des
Wiedenberges erneut umplatziert werden. Nach anfänglichen Einwänden des
Jägervereins wurde sie am Fresekenhof aufgestellt und mit dem
notwendigen Kugelfang ausgestattet. Der amtliche Schießsachverständige
erklärte nach Prüfung der Thorwesten-Kugelfang-Anlage diese sogar zur derzeit sichersten. Mit dem vom Erzbischof
Degenhardt abgegebenen ersten Ehrenschuss wurde die Anlage schließlich
in Betrieb genommen.
Allgemeines über das Vogelschießen
Das Vogelschießen ist ein alter Brauch aus dem Schützenwesen. Bekanntlich handelt es sich dabei um einen Wettbewerb, bei dem es gilt, den hölzernen Vogel mit einer Schusswaffe oder auch mit einer Armbrust abzuschießen. Der Vogel besteht dabei teilweise aus ausgesägten oder gedrechselten und kunstvoll bemalten Holzteilen und wird dann auf einer langen Stange, der Vogelstange, montiert. Mit einem Kleinkaliber- oder auch Schrotgewehr schießen die Schützen im Wettbewerb um den Königstitel. Die Schusswaffe ist dabei aus Sicherheitsgründen auf einem Standfuß (Lafette) montiert, so dass als Ziel ausschließlich der Vogel ins Visier genommen werden kann.
Entstanden ist der Brauch des Vogelschießens im Mittelalter, als größere Teile der männlichen Bevölkerung (Schützengilden oder Bürgerwehren) noch zur Verteidigung der Stadt herangezogen wurden und daher das Schießen üben mussten.
Die eigentlichen Ursprünge für das Vogelschießen – in einigen Gegenden auch „Papageienschießen“ genannt – liegen jedoch weiter noch zurück. In einer Dissertation beschreibt Theo Reintges die Geschichte des Vogelschießens. Er führt an, dass der Brauch in die Zeit zum Ende der Kreuzzüge zurückgeht. Hier entstanden mit Rückkehr der Kreuzfahrer und der Verbreitung von Bogen und Armbrust die ersten Schützengesellschaften. Auch die Bezeichnung „Papageienschießen“ kann in diese Zeit zurückgeführt werden, da die Kreuzfahrer den orientalischen Vogel als Schützenvogel übernommen haben sollen. Flandern, die Heimat vieler Kreuzfahrer, gilt dabei bekanntlich als Wiege des Schützenwesens. Mit seiner Ausbreitung wurde auch der Papagei als Schützenvogel in einigen Gegenden übernommen.
Nach dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) veränderten sich die Schützengilden über die Jahre zu friedlichen Vereinigungen: zu Schützenbruderschaften und Schützenvereinen, die gesellschaftliche und bürgerschaftliche Zusammenkünfte pflegten.
Diese praktizieren das Schießen heute nur noch als sportliche Betätigung und mit dem Brauch des Vogelschießens werden der Schützenkönig oder die Schützenkönigin ermittelt.
