Interessantes aus Archivunterlagen
Namensänderung der Schützenbruderschaft
| Name des Vereins: |
Schützenbruderschaft Neheim |
| Patrone: | Die heilige Dreifaltigkeit und die Gottesmutter Maria |
| Vereinsname seit 1947: | Schützenbruderschaft St. Johannes Baptist Neheim 1607 |
Am 20. April 1958 wurde beschlossen, die Schützenbruderschaft in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Sie führt seit diesem Tag zum Namen den Zusatz e.V. |
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Wie kam es zu dieser Namensänderung ?
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Mai 1945 wurden zunächst alle Schützenvereine gemäß Artikel 3 des Gesetzes Nr.8 von den alliierten Besatzungsmächten verboten und aufgelöst, weil sie zu jenen Vereinen gerechnet wurden, die militärische Traditionen verfolgten.
Der damalige Pfarrer der St. Johannes-Gemeinde, Joseph Hellmann, setzte sich - er war davon überzeugt, dass es sich bei der Neheimer Schützenbruderschaft um eine kirchliche Einrichtung handle - für die Wiederzulassung der Bruderschaft ein.
Er richtete über den Stadtdirektor der Stadt Neheim-Hüsten zweimal - am 10. Mai 1946 und am 19. Juli 1946 - ein Gesuch an die Militärregierung in Arnsberg mit der "Bitte um Wiederzulassung der hiesigen Schützenbruderschaft". Der Erfolg war negativ (siehe Heft "Die Präsides der Schützenbruderschaft Neheim") .
Um zum Ziele zu kommen, wandte sich Pfarrer Hellmann an den Generalpräses der "Erzbruderschaft vom hl. Sebastianus" in Leverkusen-Bürrig und bat um seine Vermittlung. Die Erzbruderschaft war am 31. Mai 1946 von der Militärregierung schriftlich genehmigt worden.
Der Generalpräses der "Erzbruderschaft vom hl. Sebastianus", Geistl. Rat Pfarrer Dr. Peter Louis, teilte Pfarrer Hellmann am 12. Dezember 1946 mit, dass der Weg zur Genehmigung nur über die Erzbruderschaft gehe.
Er machte in seinem Schreiben den Vorschlag, den Namen eines Patrons vor den Titel zu setzen, "vielleicht des Pfarrpatrons". Nach Beratung mit einigen langgedienten Vorstandsmitgliedern meldete Pfarrer Hellmann mit Datum vom 3. Februar 1947 die Bruderschaft unter dem Namen des Pfarrpatrons "St. Johannes Baptist" bei der Erzbruderschaft in Leverkusen-Bürrig an. Seitdem führt die Bruderschaft den Namen "St. Johannes Baptist" bzw. "St. Johannes der Täufer".
Wahrscheinlich war den Herren nicht mehr bekannt, dass die Bruderschaft seit ihrer Gründung unter dem Patronat der "Heiligen Dreifaltigkeit und der Gottesmutter Maria" stand.
In Erinnerung an das frühere Patronat feiert die Bruderschaft jährlich am "Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit" ihr Patronatsfest.
Protokollbücher
Die Bruderschaft besitzt Protokollbücher seit dem Jahr 1849. - Zwei Bücher, nämlich die Lagerbücher von 1753 und 1726 fehlen. Diese beiden Bücher hat Pfarrer Hellmann am 7. Mai 1957 an Herrn Rektor Bahnschulte ausgeliehen.
Darüber gibt es eine Aktennotiz. Seit dieser Zeit fehlen die Bücher.
In der Festschrift von 1975 berichtet Bahnschulte aus den beiden Lagerbüchern. Unter der Überschrift "Aus der älteren Geschichte der Schützenbruderschaft St. Johannes der Täufer" schreibt er, daß das Lagerbuch von 1726 um 1680 begonnen wurde, aber inhaltlich bis 1651 zurückreiche und abschriftlich die (Wieder-)Begründung der Bruderschaft mitteile.
Dann berichtet er über die "Bierrechte von 1750". In einem weiteren Artikel berichtet er unter der Überschrift "Aus alten Protokollen" aus dem Lagerbuch von 1753.
Den Inhalt des Lagerbuches von 1753 hat Bürgermeister Heinrich Brüning, Bürgermeister der Stadt Neheim von 1886 bis 1907, im Jahre 1907 in der "Geschichte der Schützenbruderschaft Neheim" im wesentlichen wiedergegeben.
Der von Bahnschulte verfasste Artikel "Aus alten Protokollen" enthält - wie er schreibt - "Auszüge aus bemerkenswerten, von Brüning nicht aufgeführten Protokollen".
Bahnschulte hatte bereits im Mai 1926 in der "Ruhr-und Möhnezeitung" "Aus alten Lagerbüchern der Schützenbruderschaft zu Neheim"berichtet.
Den Abschluss seiner Berichte bilden folgende Sätze:
"Beim Durchblättern der vergilbten Bücher, besonders des älteren Lagerbuches, drängt sich die Erkenntnis auf, dass die Eintragungen mit großer Gewissenhaftigkeit und Treue gemacht worden sind und dass mit Beständigkeit am Alten festgehalten wurde: ein Symbol der Bruderschaft selbst. Fast ein Jahrhundert hindurch war jeder der beiden Folianten im Gebrauch, weshalb es nicht wunder nimmt, dass Deckel und Seiten tiefgebräunt und die schweinsledernen Riemen abgerissen sind." (Festschrift "350 Jahre Schützenbruderschaft St. Johannes der Täufer Neheim", Seite 44).
Carl-Joseph Dinslage, Bürgermeister der Stadt Neheim von 1847 bis 1886, war der erste, der "Beiträge zur Geschichte der Stadt Neheim" veröffentlichte. Im "Auszug aus den alten Protokollen der Stadt Neheim, enthaltend diejenigen Nachrichten, welche für die Stadt von Nutzen und Interesse sind" befinden sich die nachstehenden Berichte über die Schützenbruderschaft:
1706, 30. Mai (wörtlich):
"In diesem 1706ten Jahr am 30. Mai Dominica Sanctissimi Trinitatis ist die nun 99 Jahr übliche Confraternität der Schützen nach dem Salve und empfangener bendiktion des Allerhochwürdigsten, mit fliegendem Fähnlein und öffentlichem Trummenschlag in löblicher Civilität ordentlich zum Vogelbaum geschritten, und hat nach trefflichen Schützen-exercitis den Vogel gefället. Danach eodem ordine den Schützenkönig zum Rathaus begleitet."
(Aus "Präsentation von Stadtgeschichte", Seite 217)
1707, 19. Juni:
"In diesem 1707 Jahr auf Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, so diese Jahr auf den 19. Juni eingefallen, nachmittags immediate post Salve und bened. venerabiliss. Sacram. ist das Vogelschießen nach alte Observanz ordentlich vorgenommen, auch glücklich vollzogen worden. Dieser Schützenkönig wurde Diedrich Cöster genannt Fischer."
(Aus "Präsentation von Stadtgeschichte", Seite 218)
1708, 2. Juni (wörtlich):
"den Vogel nachmittags hora 5 die H. Schützen aufsetzen wollen, ist der Vogelbaum über der Schere plötzlich abgebrochen. Es ist daher nächstfolgenden Tages zur Scheibe geschossen; die Scheibe ist aufgestellt worden unter den Bäumen zwischen der Möhne und der Mühlenschlacht."
Anmerkung: Die Mühlenschlacht lag zu jener Zeit bedeutend näher bei der Stadt. Die jetzige Mühlenschlacht ist 1781 erbaut und der Mühlengraben in jetziger Richtung angelegt.
(Aus "Präsentation von Stadtgeschichte", Seite 219)
1709, 26. Mai (wörtlich):
"Am Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit nachmittags sind alle Schützen, nachdem der Litaney in der Kirche erst beigewohnt und durch das hochwürdigste Sakrament des Altares die benediction erhalten, aufm Rathause versammelt, woselbst ihnen vom Herrn Hauptmann Brunabend und Fähnrich Theodor Cösters guter Behutsamkeit, auch anderer Civilitäten Erinnerung geschehen, in löblicher Ordnung zum Platz des Vogelbaumes (wo für diesmal an Platz des Vogelbaumes ein Scheiben aufgerichtet) gegangen; und nachdem ein jeder Schütze 2 Schüsse zur Scheiben getan, hat das Glück den Wohl-Ehrbaren Heinr. Linneborn favorisiert; daß er mit fliegendem Fähnlein und öffentlichem Trummenschall wieder zur Stadt aufs Rathaus mit dem Vogel durch alle Schützen ist begleitet worden."
(Aus "Präsentation von Stadtgeschichte", Seite 220)
1782, 6. August
"Die im Jahre 1607 unter dem Kurfürsten Ernst gestiftete Schützenbruderschaft nimmt jährlich an Zinsen 32 Taler 5 Petermännchen ein, was auf Verlangen angezeigt wird."
(Aus "Präsentation von Stadtgeschichte", Seite 230)
Hauptleute bzw. Obersten der Schützenbruderschaft Neheim
Am 29. Juni 1849 wurde der Rentmeister Wilhelm Hövel im Rathaus zum Hauptmann der Bruderschaft gewählt.
Es war wohl das erste Mal, dass der Hauptmann von der gesamten Versammlung gewählt wurde. Bis dahin war es Brauch, daß der Fähnrich und der älteste Scheffe Wahlmänner ernannten. Hövel nahm das Amt am 10. Juli 1849 an.
Am 4. Juni 1853 nahm er seinen Abschied.
Am 30. Oktober 1853 wurde der bisherige Fähnrich Franz Erlenkamp zum Hauptmann gewählt. Man kehrte zur alten Wahlform zurück. Der Fähnrich und der älteste Scheffe bestimmten je 10 Wahlmänner.
Erlenkamp legte 1856 sein Amt nieder.
Am 20. Juli 1856 wurde Ferdinand Binhold jun. mit Stimmenmehrheit zum Hauptmann gewählt. Hauptmann Binhold verstarb am 10. April 1883.
Am 13. April 1857 hatte sich die Bruderschaft eine neue Satzung gegeben. Bezüglich der Wahlen heißt es in §6:
"Hauptmann und Fähndrich werden mit einfacher Stimmenmehrheit in ordentlicher General-Versammlung auf eine Functionsdauer von Vier Jahren gewählt.
Zur Wahl der Scheffen ernennt der Hauptmann und der Fähnderich jeder einen Schützenbruder, welche beiden Deputirten die Wahl selbständig und endgültig vornehmen. Dieselben werden auf zwei Jahre gewählt, und tritt jedes Jahr ein scheffen aus.
Die Wahl des Hauptmanns leitet der älteste Scheffen, und die Wahl des Fähndrichs der Hauptmann."
(Aus "Festschrift zur Feier des 300jährigen Bestehens der Bruderschaft", S. 44/45)
Am 3. Mai 1883 wurde der Stadtrentmeister Franz Burgard zum Hauptmann gewählt. Er übte das Amt bis 1907 aus.
Am 18. August 1907 bzw. 24. November 1907 gab sich die Schützenbruderschaft eine neue Satzung. Im §3 heißt es:
"Die Wahl jedes einzelnen Vorstandsmitgliedes erfolgt durch die Generalversammlung in einem besonderen Wahlgange und zwar durch Stimmzettel, kann aber auch per Akklamation geschehen, wenn aus der Versammlung heraus von mindestens 10 Mitgliedern kein Widerspruch erhoben wird. Als gewählt gilt derjenige, welcher die absolute Majorität auf sich vereinigt. Gewählt wird für die Amtsdauer von 4 Jahren."
| Die 1. Brudermeister und Obersten seit 1907 |
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| Aug 1907 - Feb 1911 | Theo Cöppicus-Röttger | |
| Feb 1911 - Mai 1914 | Dr.med. Hans Schlüter | |
| Mai 1914 - Mrz 1931 | Anton Dame | |
| Mrz 1931 - Mai 1939 | Clemens Dame | |
| Mai 1939 - Mai 1945 | Franz Buchheister | |
| Mai 1947 - Mai 1949 | Josef Ricker | |
| Mai 1949 - Mai 1975 | Franz Heimann (*) | |
| Mai 1975 - Dez 1990 | Ludwig Meinzer | |
| Dez 1990 - Mär 2002 | Günter Becker | |
| Mär 2002 - Mär 2008 | Hans-Eberhard Hilger | |
| Mär 2008 | Andreas Cloer | |
(*) In der Generalversammlung am 11. Oktober 1964 wurde beschlossen, dem Vorsitzenden der Bruderschaft den Rang eines Obersten zuzuerkennen. Franz Heimann war bereit, den ihm angetragenen Rang des Obersten anzunehmen.
von Theo Schröder