Aus der älteren Geschichte der Bruderschaft
Allein die Beschäftigung mit diesem Thema würde ein eigenes Web-Projekt rechtfertigen. Die Annalen der Bruderschaft reflektieren naturgemäß auch die Lebensumstände im Gemeinwesen Neheim zum jeweils relevanten Zeitpunkt. Wir haben versucht, uns auf markanten Begebenheiten und geraffte Darstellung wesentlicher Dinge zu beschränken. Die verwendeten Dokumente wurden in der Originalsprache, sie mag heute etwas eigentümlich klingen, übernommen.
Lesen Sie im Bereich "Historie" mehr über
den Ursprung von der Schützen im Allgemeinen,
die Geschichte der Neheimer Schützenbruderschaft
vor 1607,
von 1607 bis 1807,
von 1807 bis 1907,
von 1907 bis 1982 und
von 1982 bis 2007.
Außerdem finden Sie hier interessantes aus
Archivunterlagen,
der lokalen Presse
und über
Schützen und Jäger und das Neheimer Volksfest,
sowie
die Zaunkönige.
Wertvollster Besitz der Bruderschaft sind die Königsgedenkmünzen seit 1607. Nach dem Zusammenbruch 1945 hat der damalige Hauptmann das Königssilber, unter Gefahr für seine Freiheit, für die Bruderschaft gerettet - er hatte es vergraben.
An schriftlichen Urkunden waren bis 1957 zwei Lagerbücher vorhanden und zwar aus den Jahren 1753 und 1726. Letzteres, das um 1680 begonnen worden ist, reicht inhaltlich bis 1651 zurück und teilt schriftlich die (Wieder-) Begründung der Bruderschaft mit. Aus dem erhaltengebliebenen Mitgliederverzeichnis ergibt sich, daß zu den vornehmsten Mitbegründern der Bruderschaft Wilhelm von Bayern (Sohn des Landesherrn und Kurfürsten Ernst), Besitzer des adeligen Gutes Höllinghofen sowie fünf Burgmannen gehörten. Wilhelm von Bayern wird unter den "guththätern der Bruderschaft" an erster Stelle genannt.
Die Bruderschaft stand von jeher unter dem Patronat der "Allerheiligsten Dreifaltigkeit und der Gottesmutter Maria". Nach einer Namensänderung zu Beginn des Jahres 1947 führt sie aber den Namen "St. Johannes Baptist".
Johannes der Täufer ist bis auf den heutigen Tag Kirchenpatron der Pfarrkirche und war Stadtpatron der ehemaligen Stadt Neheim.
Die aus dem Jahre 1607 erhaltenen Statuten, die Articuli morales, haben noch heute als Richtschnur Geltung. So waren z.B. alle Mitglieder zur Teilname am Leichenbegängnis und Totenamt eines Bruders verpflichtet. Die brüderliche Liebe erforderte, "daß der eine dem anderen nicht allein im leben, sondern auch nach dem todt beyspringe und behülfflich seye".
In die ersten Jahrzehnte des Bestehens der Bruderschaft fiel der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), in dessen Verlauf die Stadt Neheim wiederholt durch Schatzungen und Kontributionen heimgesucht wurde. Ob Feind oder Freund: beide Parteien saugten die Bürger durch Beitreibungen von Vieh und Getreide aus, wobei die Hausbesitzer, also die Schützenbrüder, am härtesten getroffen wurden.
In den Drangsalen des Dreißigjährigen wie auch des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) beging die Bruderschaft ihre Feste im Stillen. Beweis dieser Notstände ist die Inschrift einer von Herrn F.C. Friedrich Georg Cosack, "aufm Burgguth Gransow zu Nehem", am 29. Mai 1763 gestifteten Silberplatte "Nachdem wir in 7 Jahren hart Kriegesnoth erfahren, Endlich Noe schicket die Taub, Mit dem grünenden Friedenslaub; darum anheut unverdrossen wurde der Vogel geschossen".
Fast alljährlich wurde nun das "Gelach" - so nannte man damals das Fest - gefeiert. Nur in Kriegs- und Notzeiten sah man davon ab, so in den Jahren 1799, 1800, 1803 und 1806. Als man 1807 die 200-Jahr-Feier vorbereitete, vernichtete eine Feuersbrunst fast ganz Neheim und jegliche Festlichkeit unterblieb. Nach dem großen Brande herrschten traurige wirtschaftliche Zustände.
So fand auch in den Jahren 1808, 1809 und 1813 kein Fest statt. Die Hausbesitzer, also die Schützenbrüder, waren verarmt. Erst mit der Einführung der Industrie in den 1830er Jahren begannen die Verhältnisse, sich zu bessern.
Wie unsere Vorfahren in religiöser Hinsicht dachten, geht aus einer Protokollnotiz des Jahres 1851 hervor. Es heißt dort: "Da wir nach der vom 21. bis 30. März abgehaltenen Volksmission noch in der Bußzeit leben, geziemt es sich nicht, das Gelag abhalten zu lassen".
Viele Jahre hindurch bemühte sich die Bruderschaft um die Verleihung der Korporationsrechte. Sie wurden erst durch die Vermittlung des Bürgermeisters Dinslage 1849 erreicht. Der Bürgermeister wurde zum Dank bei der 250-Jahr-Feier am 6. Juni 1857 als erster mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet.
