Neheimer / Sauerländer Quadrille

Die Quadrille ist eine Variante des Kontertanzes oder auch Kontratanzes. Als ursprünglich improvisierter Tanz, der sich an anarchische Lebenseinstellungen anlehnte und zur Zeit Napoleons I. in Paris entstand, war die französische Quadrille Vorbild.

Als Konter- bzw. Kontratanz wird ein mehrfiguriger Gruppentanz bezeichnet, der seinen Ursprung in ländlichen Volkstänzen in England hatte und sich im 17./18. Jahrhundert zu einem beliebten Gesellschafts- und Volkstanz entwickelte.

Die spätere und heutige Form der Quadrille wird von jeweils vier Paaren (acht Personen) im Karree getanzt. Dabei stehen sich die Paare in ihrer Grundstellung gegenüber und tanzen gegeneinander. Der Tanz ist in der Regel fünfteilig und kann mit Galopp- oder Polka-Takten oder in seiner Weiterentwicklung zur Walzerquadrille mit einem Walzer enden. In der klassischen Form besteht die Musik aus jeweils acht Takten, und mit jeder Wendung in der Musik ändern auch die Tänzer ihre Bewegungen und Schrittformen.
Das in der Neheimer Variante intensive Fußspiel lässt auf ein beträchtliches Alter dieser Version schließen.

Dass insbesondere die Neheimer Quadrille sich großer allgemeiner Aufmerksamkeit erfreut und Anklang in der Öffentlichkeit findet, zeigt auch ihre Präsenz in offenen Dokumentationen (dancilla). Hier sind fünf Tänze der Sauerländer Quadrille mit Herkunft „Neheim-Hüsten“ verzeichnet. Über dies hinaus werden im Rahmen vieler auswärtiger Volksfeste immer wieder gern die Sauerländer (Neheimer) Quadrillen Nr. 4 und Nr. 5 getanzt.

Schon früh war die Neheimer Quadrille fester Bestandteil jedes Neheimer Schützenfestes

Seit wie vielen Jahren sie bereits zu den Festveranstaltungen der Schützenbruderschaft zählt, ist der Festschrift von 1907 zu entnehmen. Darin heißt es: „Dann fanden zur Quadrille sich die Paare im alten Rathaussaal.“ So erinnert auch der Silberkönig des Jahres 1954, Hermann Pollklesener (Schützenkönig des Jahres 1929) in der Zeitung zum Neheimer Schützenfest an die Tanzveranstaltungen des Jahres 1929: „Die modernen Tänze seien verpönt gewesen, dafür habe man fleißig Rheinländer, Polka und Walzer getanzt, und natürlich die Neheimer Quadrille, die mit ihren verschiedenen Figuren weit und breit bekannt gewesen sei. Auch den ‚Fröschelkes’- Tanz – die Tanzpaare fassten sich dabei an Nasen und Ohren – (nicht zu verwechseln mit der Voßwinkler Fröschelkes-Variante), habe man getanzt, dann, wenn die Stimmung hohe Wellen schlug.“ Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg studierte Anny Siebert, bekannte und beliebte Neheimer Tanzlehrerin, im Jahre 1955 die traditionelle Quadrille mit den Damen und Herren des Schützenhofstaates ein. Tonius Pröpper mit seinen Musikern intonierte die Melodien, und der Hofstaat tanzte an jedem Festtag die Quadrille. Die Begeisterung war so groß, dass die Tanzaufführung wieder in das Festprogramm aufgenommen wurde.

Das Einüben der Tänze betreiben die Mitglieder der Schützenbruderschaft mit hohem Engagement, sollen doch die Tanzformationen, insbesondere das Fußspiel, bei den Aufführungen perfekt vorgetragen werden. Die Vorbereitungen beginnen schon viele Monate vor dem Fest und bereiten besonders den jüngeren Hofstaatmitgliedern viel Freude und stets großes Vergnügen. Den Lohn für ihre Bemühungen erhalten die Tänzerinnen und Tänzer bei und nach ihren Vorführungen im Zelt oder während des Festzuges durch viel Beifall vom begeisterten Publikum. Die Einladung des Hofstaates nach dem Fest durch die Bruderschaft zu einer Ausflugstour ist Dank für die gelungenen Auftritte und Vorführungen.

Diese positive Resonanz ist ein schöner Beweis für die Beliebtheit des Brauches, der übrigens nicht nur anlässlich des Festes vollzogen wird. Auch bei anderen Gelegenheiten, z.B. für die Bewohner des Altenheimes im Rumbecker Holz, wird die Quadrille getanzt.

Du hast Interesse an der Neheimer Quadrille und am Hofstaat, dann nimm Kontakt zu unserem Ansprechpartner auf.