Vogelschießen

Das Vogelschießen findet alle zwei Jahre, jeweils am Schützenfest-Montag statt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger finden sich auf dem schönen Hof des Burghaus Freseken ein und betrachten gemeinsam mit den anwesenden Jägern und Schützen ein spannendes Schießen um die Königswürde. Das Schützenfest mit dem Schuss auf den Vogel ist kontinuierlicher - nur mit kleinen Unterbrechungen in Kriegszeiten - gefeiert worden und kann daher als älteste und traditionsreichste Veranstaltung Neheims nach den Donatorenfeierlichkeiten bezeichnet werden.

Aktuelles über das Vogelschießen

Bis vor einigen Jahren (Jahrzehnten) wurde das Vogelschießen noch sehr rustikal durchgeführt. Ein Holzvogel auf einer Stange, die Schützen die wollten bekamen ein Gewehr in die Hand und durften auf den Vogel schießen, bzw. es versuchen.

In den letzten Jahren sind, aus guten Gründen, Verbesserungen im Bereich Sicherheit und Umweltschutz den Vereinen auferlegt worden. Somit wurden Lafetten, in denen die Gewehre fest eingespannt werden Pflicht, genauso wie ein Kugelfang hinter dem Vogel. Dadurch wird vermieden, dass durch unsachgemäßes bedienen man sich selber oder andere gefährdet. Des Weiteren gibt es Auflagen, dass die Geschosse nicht in das Erdreich unter dem Kugelfang gelangen. Es gibt Sicherheitsbereiche in den nur die Schützen für das Vogelschießen dürfen, es gibt Vorschriften für das Bedienen und Warten der Winde für den Kugelfang, es gibt Lehrgänge für die Schießmeister und es gibt natürlich auch Vorschriften für Versicherungen die Abgeschlossen werden müssen.

Durch die Änderungen und Regelungen ist das Vogelschießen immer sicherer geworden, für die Schützen und die Zuschauer und gleichzeitig hat es nie an Spannung und Attraktivität verloren.

In der jüngeren Vergangenheit wurden Neuerungen für das Vogelschießen vorgeschlagen und in Gesetzestexte gegossen welche auf dem ersten Blick eine sinnvolle Ergänzung sind, aber sich nach sachlicher Prüfung nicht immer alles logisch erweisen oder noch schlimmer, technisch nicht fehlerfrei umzusetzen sind. Daher würden wir uns als Schützen freuen, wenn wir bei der Vorbereitung auf Neuerungen beteiligt oder zumindest gehört werden, um unsere Erfahrung und unseren Sachverstand mit einfließen zu lassen.

Der Aufwand der zum durchzuführen eines Vogelschießens benötigt wird, wird immer größer. Einmal der Aufwand an Geld um alle Regelungen umzusetzen und der Aufwand an Zeit die die aktiven Schützen zum herrichten und Instandhaltung der Vogelstange investieren müssen um das Vogelschießen nach den aktuellen Vorschriften durchzuführen. Aber wir machen es gerne es ist unser Hobby, unsere Leidenschaft, unsere Passion.

Vogelschießen kann polarisieren, es geht dabei aber nicht um Halbstarke die sich gegenseitig beweisen wollen, dass sie die Größten sind. Es geht um gesellschaftliches Engagement, um Verbindungen zu schaffen in der Gesellschaft in der man lebt. Früher wurden Schützengesellschaften gegründet um die Stadt zu schützen vor Angriffen von außen. Bis heute existieren die Gesellschaften und die Vereine und schützen heute die Stadt/den Stadtteil durch Kommunikation und Integration nach innen. Sie verbinden, öffnen Türen und sind sichtbare Ansprechpartner für alle.

Geschichte: Vogelschießen in Neheim

Als Nachweis für das Vogelschießen schon kurz nach Gründung unserer Bruderschaft existiert der Königsorden aus dem Jahre 1608. Sicherlich sind jedoch auch schon vor diesem Datum Vogelschießwettbewerbe ausgetragen worden. 

Hatte unsere Bruderschaft den Platz des Vogelschießens viele Jahre lang neben der ihr gehörenden Schützenhalle und späteren Volkshalle, musste die Vogelstange nach der Möhneflut, die das Gebäude zerstörte, an anderer Stelle wieder errichtet werden. Für viele Jahre war ihr Platz somit unterhalb des Wiedenberges.

Das Vogelaufsetzen fand in früheren Jahren nach dem Schützenhochamt am Samstagnachmittag statt. Der Vogel verblieb bis zum Vogelschießen am Montagmorgen auf der Stange, was dazu führte, dass er am Wochenende auch schon mal durch Nichtbefugte „entfernt“ wurde. Daher wurde der Vogel viele Jahre erst nach dem Schützenhochamt am Montagmorgen auf die Vogelstange aufgesetzt, damit das Wettschießen zwischen den Schützen bzw. Königsanwärtern beginnen konnte. Vor einigen Jahren änderte sich dieser Ablauf jedoch:

Nachdem auch das Schützenhochamt auf den Samstagnachmittag vorverlegt wurde, gehörte und gehört noch heute auch das Vogelaufsetzen zum Programm des Samstags. Im Festzug, gemeinsam mit dem Jägerverein, wird der Vogel zum Fresekenhof getragen und dort auf die Vogelstange aufgesetzt, jedoch nach dem Festakt wieder abgenommen.
Die Musikkapellen bilden den musikalischen Rahmen, wobei das Abspielen des Großen Zapfenstreiches den feierlichen Höhepunkt dieses Festaktes bildet.

Das Vogelschießen selbst findet nach wie vor am Montagmorgen statt. Nach den Ehrenschüssen durch die kirchlichen Würdenträger, den Bürgermeister, den noch amtierenden König, durch die Königin, den Schützen- und den Jägeroberst sowie den Ehrenoberst der Bruderschaft finden sich die Anwärter für die Königswürde zum Schießwettkampf unter der Vogelstange an den Gewehren ein. Sie schießen abwechselnd bis der letzte Rest des Vogels fällt. Die Bevölkerung nimmt regen Anteil an diesem spannenden Wettkampf und wartet gespannt und bis zuletzt, wer den letzten Schuss, den Königsschuss, setzt.

Ist dieser gefallen, nehmen die Schützenbrüder den erfolgreichen Königsanwärter unter großem Jubel der Schützen und der Bevölkerung auf die Schultern und rufen ihn zum neuen Schützenkönig aus. Es folgt die erste Gratulationscour mit vielfachem „Horrido“, Händeschütteln und Schulterklopfen. Abschluss der Zeremonie auf dem Fresekenhof bildet die Bekanntmachung, wen der König sich zur Königin auserkoren hat. Es folgt der Festzug ins Festzelt zur dort stattfindenden Königsproklamation.

Das Vogelschießen erlebte im Laufe der Zeit viele Hochs mit zahlreichen Bewerbern, toller Stimmung und bestem Wetter, aber auch Tiefs bei sehr geringer Anzahl von Wettbewerbern um die Königswürde oder mit Zuschauern unter Regenschirmen.

Einige Begebenheiten aus der Chronologie

1952

In diesem Jahr wurde erstmals auf den Vogel, der auf der am Wiedenberg neu installierten Vogelstange aufgesetzt war, geschossen.

1959

Die Vogelstange, die anlässlich des Jägerfestes im Jahre 1958 durchgebrochen war, musste ersetzt werden. Der Jägerverein beschaffte eine neue Stange, die zwar imprägniert aufgestellt, doch erst 1960 in neutralem Weiß lackiert wurde.
Zur Erinnerung an das Vogelschießen 1708 wörtlich aus dem Protokollbuch der Stadt:
„2. Juni 1708: Den Vogel nachmittags hora 5 die H. Schützen aufgesetzen wollen, ist der Vogelbaum über der Schere plötzlich abgebrochen. Es ist daher nächstfolgenden Tages zur Scheibe geschossen; die Scheibe ist aufgestellt worden unter den Bäumen zwischen der Möhne und der Mühlenschlacht.“

1964

Aus Sicherheitsgründen wurde ein Kugelfang montiert, dessen Finanzierung sich unsere Bruderschaft und der Jägerverein teilten.

1971

Beim Vogelschießen ging es spannend zu: Die beiden verbleibenden Königsanwärter Heinz Heppelmann und Franz Glaremin entschlossen sich zum Pinnchen-Ziehen. Der Gewinner des Spiels sollte den nächsten Schuss auf den Vogel abgeben. In der Endabrechnung wurde Heinz Heppelmann viel gefeierter Schützenkönig.

1982

In diesem Jahr feierte die Schützenbruderschaft ihr 375-jähriges Jubiläum. Die Vogelstange musste auf Grund von Straßenbaumaßnahmen unterhalb des Wiedenberges erneut umplatziert werden. Nach anfänglichen Einwänden des Jägervereins wurde sie am Fresekenhof aufgestellt und mit dem notwendigen Kugelfang ausgestattet. Der amtliche Schießsachverständige erklärte nach Prüfung der Thorwesten-Kugelfang-Anlage diese sogar zur derzeit sichersten. Mit dem vom Erzbischof Degenhardt abgegebenen ersten Ehrenschuss wurde die Anlage schließlich in Betrieb genommen.

Allgemeines über das Vogelschießen

Das Vogelschießen ist ein alter Brauch aus dem Schützenwesen. Bekanntlich handelt es sich dabei um einen Wettbewerb, bei dem es gilt, den hölzernen Vogel mit einer Schusswaffe oder auch mit einer Armbrust abzuschießen. Der Vogel besteht dabei teilweise aus ausgesägten oder gedrechselten und kunstvoll bemalten Holzteilen und wird dann auf einer langen Stange, der Vogelstange, montiert. Mit einem Kleinkaliber- oder auch Schrotgewehr schießen die Schützen im Wettbewerb um den Königstitel. Die Schusswaffe ist dabei aus Sicherheitsgründen auf einem Standfuß (Lafette) montiert, so dass als Ziel ausschließlich der Vogel ins Visier genommen werden kann.

Entstanden ist der Brauch des Vogelschießens im Mittelalter, als größere Teile der männlichen Bevölkerung (Schützengilden oder Bürgerwehren) noch zur Verteidigung der Stadt herangezogen wurden und daher das Schießen üben mussten.
Die eigentlichen Ursprünge für das Vogelschießen – in einigen Gegenden auch „Papageienschießen“ genannt – liegen jedoch weiter noch zurück. In einer Dissertation beschreibt Theo Reintges die Geschichte des Vogelschießens. Er führt an, dass der Brauch in die Zeit zum Ende der Kreuzzüge zurückgeht. Hier entstanden mit Rückkehr der Kreuzfahrer und der Verbreitung von Bogen und Armbrust die ersten Schützengesellschaften. Auch die Bezeichnung „Papageienschießen“ kann in diese Zeit zurückgeführt werden, da die Kreuzfahrer den orientalischen Vogel als Schützenvogel übernommen haben sollen. Flandern, die Heimat vieler Kreuzfahrer, gilt dabei bekanntlich als Wiege des Schützenwesens. Mit seiner Ausbreitung wurde auch der Papagei als Schützenvogel in einigen Gegenden übernommen.

Nach dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) veränderten sich die Schützengilden über die Jahre zu friedlichen Vereinigungen: zu Schützenbruderschaften und Schützenvereinen, die gesellschaftliche und bürgerschaftliche Zusammenkünfte pflegten.
Diese praktizieren das Schießen heute nur noch als sportliche Betätigung und mit dem Brauch des Vogelschießens werden der Schützenkönig oder die Schützenkönigin ermittelt.