Schützenfest

Schützenfeste sind Hochfeste der Bruderschaften und Vereine. In Westfalen und besonders im Sauerland haben sie eine alte Tradition, die weit in die Vergangenheit reicht. So auch in Neheim, dessen Schützenbruderschaft im Jahre 1607 gegründet und seitdem Schützenfest gefeiert wurde.

Wir feiern das Neheimer Volksfest jährlich auf dem Neheimer Markt Mitte August im Wechsel als Schützen- bzw. Jägerfest: in ungeraden Jahren ist die Schützenbruderschaft an der Reihe, in geraden Jahren richtet der Jägerverein Neheim das Fest aus.

Heute ist das Neheimer Schützenfest ein Volksfest, zu dem neben der Bevölkerung auch befreundete Schützenbruderschaften und -vereine eingeladen sind. Gefeiert wird in Festzelten über vier Tage ab Freitag bis Montag. Das Schützenfest beginnt freitags mit dem Original Bayrischen Abend, am Samstag wird nach dem Festhochamt im Sauerländer Dom zum Fresekenhof marschiert und dort der Vogel feierlich aufgesetzt und ein Zapfenstreich gespielt. Der Sonntag startet früh morgens mit der Reveille zur Einstimmung auf den "Großen Festumzug" und anschließenden Tanz der Neheimer Quadrille am Nachmittag. Am Montagmorgen mündet das Schützenfest in einen seiner weiteren Höhepunkte, das Vogelschießen am Fresekenhof zur Ermittlung des neuen Schützenkönigs. Die anschließende Geselligkeit im Festzelt ist überall sehr stimmungsvoll, so manche Runde wird mit einem traditionellen Birkenmai eröffnet.

Es begegnen sich Jung und Alt sowie Groß und Klein in 4 Tagen Schützenfest in Neheim. – Somit ist es das FEST IN NEHEIM.

Original Bayrischer Abend 2017

Am Original Bayrischen Abend im Neheimer Festzelt

Die populärste Oktoberfest-Band der Welt - die Münchener Zwietracht, bekannt als Hauptkapelle im Hippodrom auf dem Münchner Oktoberfest bietet beste Stimmung.

Die Trachtenkapelle Unterammergau - die Bierzelt-Stimmungsspezialisten mit Schuhplattlern spielten bereits auf dem Oktoberfest in München, zur Grünen Woche in Berlin, als auch international in Nord- und Südamerika.

Mehr Stimmung an einem „Original Bayrischen Abend“ geht nicht.

Vogelschießen

Das Vogelschießen findet alle zwei Jahre, jeweils am Schützenfest-Montag statt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger finden sich auf dem schönen Hof des Burghaus Freseken ein und betrachten gemeinsam mit den anwesenden Jägern und Schützen ein spannendes Schießen um die Königswürde. Das Schützenfest mit dem Schuss auf den Vogel ist kontinuierlicher - nur mit kleinen Unterbrechungen in Kriegszeiten - gefeiert worden und kann daher als älteste und traditionsreichste Veranstaltung Neheims nach den Donatorenfeierlichkeiten bezeichnet werden.

Weitere Informationen über die Tradition des Vogelschießens in Neheim finden Sie hier.

Bierdeckel Kunst

Seit dem Schützenfest im Jubiläumsjahr 2007 gibt es die “Kunst auf dem Bierdeckel“.

Dabei war es die Idee die beiden Facetten unserer Philosophie FEST IN NEHEIM zu verknüpfen. In den Jahren 2007 und 2009 wurden die Bierdeckel von der Künstlerin Lioba Knape gestaltet und seit dem Jahr 2011 arbeiten die Neheimer Schützen mit der Wadersloher Künstlerin Susanne Nossek zusammen.

Jeweils zum Schützenfest lässt die Neheimer Schützenbruderschaft zwei neue Bierdeckel-Motive mit einer Auflage von jeweils 25.000 Stück produzieren. Die Rückseite ist seit der ersten Auflage dezent im Corporate Design der Schützen sowie mit der entsprechenden Jahreszahl gestaltet. Die eine Vorderseite zeigt jeweils ein Motiv, welches fest mit dem Stadtteil Neheim verbunden ist. Die andere Bierdeckel-Vorderseite bildet ein Motiv ab, welches in Verbindung mit dem Neheimer Schützenfest steht.

So entstehen alle zwei Jahre neue individuelle Bierdeckel, die bereits für viele Besucher zu echten Sammlerstücken geworden sind.

Bierdeckel Kunst 2007
Bierdeckel Kunst 2007
Bierdeckel Kunst 2009
Bierdeckel Kunst 2009
Bierdeckel Kunst 2011
Bierdeckel Kunst 2011
Bierdeckel Kunst 2013
Bierdeckel Kunst 2013
Bierdeckel Kunst 2015
Bierdeckel Kunst 2015
Zapfenstreich

Der Zapfenstreich findet am Schützenfestsamstag am Fresekenhof statt.

Der Name „Zapfenstreich“ stammt aus der Zeit der Landsknechte. Ende des 16. Jahrhunderts, im Jahr 1596, wurde erstmals ein Abendsignal in Verbindung mit dem Zapfenschlag erwähnt. Mit einem solchen Schlag oder einem Streichen über den Zapfen eines Fasses wurde das Signal zur Nachtruhe gegeben. Ab diesem Zeitpunkt durfte kein Wirt mehr Getränke ausgeben, die Landsknechte mussten das Zechen und das Würfelspiel einstellen und sich in ihre Zelte zur Nachtruhe zurückziehen.

Im Laufe der Zeit wurde es üblich, das Zeichen der Nachtruhe in musikalischer Form zu geben. Die Kavallerie benutzte dazu Trompetensignale, die Infanterie Flöte und Trommel. Hierbei hörte man die drei Posten, die bis heute gespielt werden:
Die erste Post rief die Reiter vom Schlachtfeld zurück, erwartete die Erfolgreichen. Doch zum Appell werden Männer und Pferde fehlen.

Die zweite Post rief noch einmal, rief die Versprengten, die Verwundeten. Die dritte Post, beklagte die Verluste, spendete ein feierliches Gedenken.

Man begegnet oft der Behauptung, dass Friedrich Wilhelm III. von Preußen, orientiert an der russischen Armee, das Lied (Ich bete an die Macht der Liebe) als Gebet in den Zapfenstreich der preußischen Truppen befohlen hätte. Das Lied wird bis heute als Gebet gespielt. Die übliche Zapfenstreich-Zeremonie geht auf die Zeit der Befreiungskriege (1813-1815) zurück.
Erstmals öffentlich und in der uns heute bekannten Form zu hören war der große Zapfenstreich 1838 in Berlin, zu Ehren des russischen Zaren Nikolaus I.
Seit 1922 findet er in der Nationalhymne seinen Abschluss. Der große Zapfenstreich ist in der Bundeswehr die höchste Auszeichnung die eine Zivilperson erhalten kann. In der Öffentlichkeit ist er vor allem durch die Verabschiedungen der Bundespräsidenten, der Bundeskanzler, der Verteidigungsminister und auch durch das Neheimer Volksfest bekannt.

Reveille

Gegen 6.00 Uhr am Morgen des Schützenfestsonntag treffen sich eine Abordnung der Schützenbruderschaft sowie Mitglieder einer Musikkapelle um die traditionelle Reveille unter der Leitung des Hauptmanns durchzuführen.

Ursprünglich ist die Reveille ein militärischer Weckruf. Frühmorgens zogen die Regimentstrompeter durch die Unterkünfte und weckten die Mannschaften mit einem Trompetensignal auf.

Die Schützenbruderschaft wandelte diesen militärischen Brauch vor Jahrzehnten in eine Ehrenbezeugung gegenüber verdienten Mitgliedern, aber auch nicht der Bruderschaft angehörenden Personen um. Seit vielen Jahren wird auch das St.-Johannes-Hospital einbezogen.

Den erwähnten Personen wird ein Ständchen gebracht. Diese revanchieren sich mit einem kleinen Imbiss (stärkende Getränke jeglicher Art, Schnittchen, Suppe) bei den Reveille-Teilnehmern. Der Aufenthalt an jeder Station beträgt ca. 20-30 Minuten. - Traditionell beginnt die Reveille beim Präses der Bruderschaft. Die weiteren Stationen auf dem Reveille-Plan sind

  • der Oberst der Schützenbruderschaft,
  • die Ehrenobersten der Schützenbruderschaft,
  • der amtierende Jägerkönig,
  • der Oberst des Jägervereins.

Zwischendurch wird ein stärkendes Frühstück im St.-Johannes-Hospital eingenommen. Die Reihenfolge wird nach der günstigsten Streckenführung festgelegt. Abschluß der Reveille ist gegen 11.00 Uhr entweder am Wohnort des amtierenden Schützenkönigs oder am Fresekenhof. Hier haben sich dann bereits die  geladenen Gäste des Königspaares zum Frühschoppen versammelt.

Der vormittägliche Abschluss der Reveille fand bis 1981 im Kolpinghaus oder beim König statt, seit 1982 auf dem Fresekenhof oder beim König.

Die Reveille ist auch ein Brauch, der dem Festsonntag mit seinem großen Festumzug die richtige Feierstimmung vermittelt.

Schützenfest Neheim ab 1948

Schützenfeste sind Hochfeste der Bruderschaft.

In Westfalen und im Sauerland haben sie eine alte Tradition. Doch bestehen die Aktivitäten der Schützenbruderschaften und -vereine nicht nur in der Ausrichtung eines Schützenfestes einmal im Jahr. Sie sind auch bemüht, den heimatlichen Gedanken zu fördern. Daher veranstalten sie neben ihrer Mitwirkung bei kirchlichen Feierlichkeiten auch den Schnadegang, das Osterfeuer und vieles mehr.

Die ersten offiziellen „Schützenfeste" entstanden aus „Überbleibseln“ von den Aufgaben der Schützengilden oder Bürgerwehren im Mittelalter. Die „militärisch“ agierenden Beschützer von Haus und Hof legten ihren Fokus bald auf eher organisatorische Tätigkeiten, wollten jedoch ihre ursprünglichen Aufgaben nicht vollständig ablegen. Es entstanden bürgerliche Vereinigungen, die sich zu ersten Schützenbruderschaften und -vereinen entwickelten und Feste mit Schießübungen und Wettbewerben veranstalteten.

Heute sind Schützenfeste Volksfeste, zu denen sich befreundete Schützenbruderschaften und -vereine sowie die Bevölkerung zusammenfinden. Die mit den Schützenfesten verbundenen Traditionen und Bräuche können dabei sehr unterschiedlich sein und regional stark voneinander variieren; so z.B. der Fahnenschlag – ein spezielles Fahnenschwenken.

Die Festlichkeiten finden in Schützenhallen, in kleineren Orten in den Festsälen von Gaststätten oder bei Veranstaltungen größeren Ausmaßes in extra aufgebauten Festzelten statt. Ihre Dauer kann dabei einen oder mehrere Tagen umfassen und durch unterschiedliche Zusatzprogramme ergänzt werden.

Im Verlauf des Festes wird in der Regel durch einen speziellen Schießwettbewerb,Vogelschießen, der beste Schütze ermittelt. Dieser erringt durch den Schuss, mit dem er den letzten Rest des Schützenvogels von der Vogelstange geschossen hat, die Königswürde und ist damit für die folgende Saison Schützenkönig.Da den vielen Schützenbruderschaften und -vereinen auch Damengruppen angehören, besteht heute für die Schützenschwestern durch Beteiligung am Vogelschießen ebenfalls die Chance, die Königswürde zu erringen.

Zum Schützenfest gehört unabdingbar ein festlicher Umzug – in Neheim mit Tanz der Quadrille, bei dem der amtierende Schützenkönig mit seiner Königin und dem Hofstaat durch die Straßen der Stadt marschiert und sich der Bevölkerung zeigt. Dabei begleiten ihn seine Vereinsmitglieder, befreundete Bruderschaften und Vereine, eine Vielzahl von Musikkapellen, Fahnenschwenker, historische Fußgruppen usw.

Obschon seit mehreren Jahren (1993) auch Frauen der Neheimer Bruderschaft angehören, wurde erst 2001 der Beschluss über ihre Beteiligung am Festzug gefasst. Viele Jahre nahmen auch Abordnungen der in Neheim stationierten belgischen Armee aus Camp Loquet an den Festzügen und den üblicherweise vor den Festen stattfindenden Bierproben teil.

Das Schützenfest in Neheim und seine Entwicklungsgeschichte

Am Schützenfestsonntag, schon in aller Frühe, erschallt der Weckruf, die Reveille, und läutet die sonntäglichen Festlichkeiten ein, in deren Rahmen am Nachmittag der große Festzug durch die Stadtstraßen zieht. Der vormittägliche Abschluss der Reveille fand bis 1981 im Kolpinghaus oder beim König statt, seit 1982 auf dem Fresekenhof oder beim König. Mit einem sehenswerten Festzug wurde im Jahre 1983 das Jubiläum „625 Jahre Stadt Neheim" gefeiert: Dem großen Schützenfestzug der Bruderschaft schloss sich der historische Festzug unter Teilnahme der Verwaltungen und Vereine der Stadt an. Die Schützenbruderschaft war dabei in Erinnerung an ihre historischen Aufgaben mit dem eigenen Bild und Thema „Unterhaltung und Verteidigung der Stadtmauern" an dem Jubiläumsfestzug beteiligt.

Begleitung aller Feste ist eine Kirmes mit unterschiedlichsten Fahrgeschäften und Verkaufsbuden. Diese schließen an das Festzelt an und ziehen sich durch die Fußgängerzone bis zum Karlsplatz hin. Nach dem Zweiten Weltkrieg war zunächst an die Ausrichtung eines Schützenfestes nicht zu denken. Die Volkshalle, die frühere Schützenhalle, war im Mai 1943 in den Fluten der Möhnekatastrophe versunken, und der einzige größere Saal befand sich im Kolpinghaus. Dieser stand jedoch nicht zur Verfügung, da das Haus von der Besatzungsmacht beschlagnahmt war. Zelte waren nicht zu beschaffen.

1948 fand dann nach langen Bemühungen das erste Fest statt. Es wurde in sämtlichen Räumen des Cafés Röther an der Burgstraße und einem hinter dem Café aufgestellten Zelt gefeiert. Da das Schießen mit Gewehren noch nicht erlaubt war, wurde der Vogel von einer kleinen Stange mit der Armbrust abgeschossen. Die Bruderschaft zählte damals 269 Mitglieder. Ab 1949 fand das Schützenfest schließlich in kleinem Rahmen wieder unter Zelten auf dem Möhneplatz statt.

Für die Neheimer Schützenbruderschaft begannen die Aktivitäten für die Ausrichtung des ersten großen Schützenfestes nach dem Kriege 1950/1951. Die gesamte Bevölkerung der Stadt war eingeladen und das Fest entwickelte sich in den folgenden Jahren schnell zu einem großen Volksfest. Schon 1955 und in den Jahren danach mussten Festzelte mit mehr als 2.000 Quadratmetern und mit über 3.000 Sitzplätzen aufgebaut werden, um dem Andrang durch die Festteilnehmer gerecht zu werden.

Jedoch hält sich auch heute noch – eine Eigenart der hiesigen Feierlichkeiten – der überwiegende Teil der Festteilnehmer nicht an Tischen auf, sondern genießt stehend in Gruppen an den Theken, auf sonstigen freien Flächen im Zelt oder draußen an den Getränkeständen und mit Freunden und Bekannten die Feststimmung und die Getränke.

Ein Glanzpunkt des Schützenfestes 1955 war die erstmalige Aufführung der Neheimer Quadrille nach dem Kriege. Anny Siebert, bei der viele Neheimerinnen und Neheimer das Tanzen gelernt haben, hatte die Tänze einstudiert und die Aufführung wurde zu einem großen Ereignis. Diese Tänze gehören auch heute zu jedem Fest dazu und sind aus seinem Programm nicht mehr wegzudenken. Da auch der Jägerverein 1956 mit seinem ersten Fest nach dem Kriege diese volkstümlichen Tänze in sein Festprogramm übernahm, können sich seitdem die Festbesucher immer wieder an den flotten Tanzschritten und -figuren erfreuen.

Die Stadtkapelle unter der Leitung von Tonius Pröpper koordinierte in den dreißiger Jahren und vielen Jahren nach dem Krieg den musikalischen Rahmen für die Feste. Die Kosten für diese musikalische Festbegleitung waren auch schon in den früheren Jahren nicht unerheblich, erwartete Pröpper 1952 doch für seine 38 Mann starke Kapelle immerhin 2.000 DM. Neben ihr musizierten viele weitere Musikorchester, Fanfarenkorps, Tambourkorps und Spielmannszüge für die Schützenbruderschaft in den Festzelten und bei den Festzügen. An den Festabenden wechselten sich bekannte und erfolgreiche Bands aus der näheren und weiteren Umgebung ab. Viele Jahre begeisterten z.B. die Neheimer Band Double Town Five und die Gottwald Singers aus Soest das Festpublikum.

In den vielen Jahren der Festzüge spielten aber auch immer wieder besondere Musikzüge aus dem In- und Ausland auf. Die Festbewirtschaftung wurde bis 1958 von Zelte Koch, bis 1964 durch den Gastronom Esser und in der weiteren Folge bis 1972 durch den Festwirt Hölzer ausgerichtet. Ab 1973 organisierte Zelte Helm und bis heute die Firma Karl Beuscher die Bewirtschaftung.

Das traditionelle Schützenhochamt feierten die Schützen anfangs am Montagmorgen des Schützenfestes noch vor dem Vogelschießen. Seit 1968 wird es am Samstagnachmittag zu Beginn des Festes vor dem Aufsetzen des Vogels und dem Abspielen des Zapfenstreichs gehalten. So wie die Mitglieder des Jägervereins am katholischen Hochamt der Schützenbruderschaft teilnehmen, beteiligen sich die Mitglieder der Schützenbruderschaft am ökumenisch gestalteten Gottesdienst des Jägervereins.

In den ersten Jahren nach dem Krieg wurden die Schützenfeste in den Festzelten auf dem Möhneplatz zur rechten und ab 1959 zur linken Seite der Werler Straße gefeiert. Im Rahmen der Stadtsanierung, die Anfang der siebziger Jahre begann, mussten diese Plätze jedoch für die geplanten verkehrlichen Veränderungen aufgegeben werden. So wurde 1979 das letzte Fest auf den Plätzen an der Möhne und 1980 das erste Schützenfest auf dem Neheimer Marktplatz gefeiert.

Die Diskussionen um einen neuen Festplatz nahmen in diesen Jahren breiten Raum ein. Überlegungen, einen Platz an der Ruhr, gegenüber dem Schützenzentrum, zu schaffen, wurden nicht realisiert. Die zunächst nur vorübergehende Ausrichtung der Feste auf dem Marktplatz bedingte ein sehr eingeengtes Festgelände, so dass nur Zelte bis 1.200 Quadratmeter Fläche aufgestellt werden konnten. Die Presse beschrieb diese Veranstaltungen und deren räumliche Enge mit den Worten „Wie in einer Heringsdose".

Alle auf dem Marktplatz stattfindenden Feste waren ab 1985 mit dem Bau des Tunnels unter der Marktplatte gefährdet, so dass dieser als Festgelände wieder fraglich wurde. Auch im politischen Umfeld sprachen sich nicht alle Parteien für seine Beibehaltung als zukünftigen Festplatz aus und wollten ein neues Gelände nur in Innenstadtnähe akzeptieren.

Die Generalversammlung der Schützenbruderschaft sprach sich jedoch einstimmig für die Beibehaltung des Marktplatzes als Festplatz aus und ergriff mit einem entsprechenden Schreiben an Bürgermeister Alex Paust umgehend eine sachbezogene Initiative. Alternative Gelände zur Ausrichtung der Feste kamen nicht in Frage, da sowohl die Bruderschaft als auch der Jägerverein Wert auf ein Festgelände nicht weit vom Ortskern entfernt legten. Über dies hinaus starteten beide Vereine gemeinsam in der Bevölkerung eine Unterschriftenaktion mit dem Ziel der Bereitstellung und Erhaltung des Neheimer Marktes als Festplatz. Diese Aktion fiel mit über 1.600 Zustimmungen sehr erfolgreich aus.

Nach vielen Diskussionen und Sitzungen erklärte sich die Stadt mit der Zielsetzung einverstanden und richtete im Neheimer Zentrum den Neheimer Markt für die Ausrichtung von Festen und anderen kommunalen Aktivitäten her. So fand 1987 das Neheimer Volksfest erstmals auf dem neu geschaffenen Neheimer Markt statt. Seitdem wird drei Tage lang, von Samstag bis Montag, später von Freitagabend bis Montag unter den Zelten auf dem Neheimer Markt getanzt und gefeiert. Dieser Standort für das Neheimer Volksfest ist nicht mehr wegzudenken und längst wichtiger Bestandteil des Brauchtums; genauso wie das Vogelschießen am Montagmorgen auf dem Platz auf dem Fresekenhof.

An allen Festtagen kommen stets viele tausend Besucher von nah und fern zu den Veranstaltungen nach Neheim und feiern gemeinsam mit Freunden, alten und neuen Bekannten. Viele gebürtige Neheimerinnen und Neheimer nehmen eine weite Anreise in Kauf, um teilzunehmen, zu klönen und den Birkemai* zu leeren.

*Birkemai = ein aus Birkenholz gedrechseltes Trinkgefäß in Pokalform mit gebördeltem Einsatz aus Weißblech oder Aluminium, mit einem Fassungsvermögen für eine Flasche Pils und eine Flasche Sekt. Der Pokal wird reihum bis zur Neige getrunken (der Vorletzte bezahlt den nächsten Birkemai, falls sich kein freiwilliger Spender für den nächsten findet). Daneben gibt es den „Mini"-Birkemai“ für „Kurze", z.B. das Getränk "Neheimer Licht".

Die Kinder- und Jugendarbeit war und ist in vielen Vereinen eine wichtige und bedeutende Aufgabe. Schon im Jahre 1970 zum Schützenfest wurde erstmals ein Kinderkönig ermittelt. Um die Kinder und Jugendlichen frühzeitig in das Wirken der Bruderschaft einzubinden, stellten die Schützen 1991 die erste Kinderkompanie auf. Ihr folgte 1993 die Aufstellung der ersten Jugendkompanie, deren Mitglieder zum Teil auch der Jugendschießgruppe der Bruderschaft angehörten. Den traditionellen Bräuchen entsprechend fanden dann erstmals im Jahre 1993 an Christi Himmelfahrt ein Kinderschützenfest und im Jahr darauf ein Jugendschützenfest statt.

1959 trat der Arbeitgeberverband für das südöstliche Westfalen mit der Bitte an die Schützenbruderschaft heran, die Festtage des Schützenfestes auf Freitag, Samstag und Sonntag zu verlegen. Die Wirtschaft sehe sich nicht mehr in der Lage, durch weitere Volksfeste Arbeitszeitverkürzungen und Produktionseinbußen hinzunehmen. Hierzu lag ein einstimmiger Beschluss der hiesigen Industrie vor. In Beantwortung dieses Vorschlages musste die Bruderschaft mitteilen, dass das bevorstehende Schützenfest mit allen Veranstaltungen und Verpflichtungen bereits terminlich im Zeitplan festgelegt sei, dass jedoch das Thema für die nächste Generalversammlung auf die Tagesordnung gesetzt würde. Letztendlich ist es bei den bestehenden Zeiten für das Schützenfest, wie auch für das Jägerfest, das Mitte der fünfziger Jahre federführend von den Neheimer Industrieunternehmen wiederbelebt wurde, geblieben.

Um auch den Wünschen und Ansprüchen der Jugendlichen gerecht zu werden, organisierte die Schützenbruderschaft 1967 am Sonntagnachmittag im Festzelt für zwei Stunden erstmals ein Beat-Konzert, das begeistert von den jugendlichen Besuchern angenommen wurde.

Im Jahr darauf fand dann vor dem Fest, erstmals am Freitagabend, ein Motto-Abend statt, der erneut für die Jugendlichen mit einem Beatabend verbunden war. Dazu wurden zwei Beat-Bands verpflichtet: The Scamps aus Lüttringen und die Neheimer Gruppe The Shadows. 700 Jugendliche besuchten das Festzelt und waren begeistert. Leider nutzten einige Wenige die gute Stimmung zur Randale, und so fand der Abend einen weniger harmonischen Ausklang. Das hatte zur Folge, dass diese Zusatzveranstaltung am Freitagabend aus dem Festprogramm genommen wurde.

Schon 1959 führten Schützenhauptmann (ab 1964 Schützenoberst) Franz Heimann und Jägeroberst Carl Willi Kleine-Cosack erste Gespräche über gegenseitige Beteiligungen der Vereine an den Festzügen. Im folgenden Jahr nahm die Schützenbruderschaft mit einer Abordnung erstmals am Festzug des Jägervereins teil. Seitdem gehört die wechselseitige Teilnahme am Festzug zum Schützen- und Jägerfest dazu, ist sie doch eine zusätzliche Aufwertung in der öffentlichen Darstellung des jeweiligen Festausrichters.

Zu dieser Zeit drängte sich noch der Durchgangsverkehr durch die Neheimer Innenstadt, um über die Mendener Straße, den Gransauplatz und die Burgstraße zur Umgehungsstraße zu gelangen. Die großen Festzüge behinderten den von Jahr zu Jahr stärker werdenden Straßenverkehr. Auf Grund polizeilicher Verfügung und aus verkehrstechnischen Gründen musste daher der traditionelle große Montagsfestzug ab 1963 für immer entfallen. Seitdem wird der König mitsamt Hofstaat und Gefolge vom Fresekenhof auf kurzem Wege zum Festzelt geleitet.

Seit 1956, nachdem der Jägerverein das Jägerfest nach dem Krieg wieder ins Leben gerufen hatte, fanden in jedem zweiten Jahr, im Abstand von nur sechs bis acht Wochen, zwei große Volksfeste, das Schützenfest und das Jägerfest, statt.

Freier Eintritt und kostenlose Biermarken für die Beteiligung am Jägerfest und an den Festzügen, zum Teil finaziert durch einheimische Industrieunternehmen und Geschäftsleute für ihre vielen Mitarbeiter, ließen das Fest in kürzester Zeit wieder erblühen, so dass auch dieses Fest wieder zum großen Volksfest wurde.

Jährliche Kostensteigerungen und dadurch, dass sich die Schützenbruderschaft nur durch Mitgliedsbeiträge und gelegentlichen Überschuss aus den Schützenfesten finanzierte, führten dazu, dass die Schützenbruderschaft 1975 eine Arbeitsgruppe mit der Aufgabe einsetzte, Überlegungen zwecks Kostenreduzierung anzustellen. Im Verlaufe dieser Überlegungen stellte sich heraus, dass die immer mit hohem finanziellen Aufwand verbundenen Feste auf eine jährliche Veranstaltung reduziert werden sollten. Jägeroberst Wilm Brökelmann erläuterte anlässlich einer Vorstandssitzung der Bruderschaft aus der Pespektive des Jägervereins die Notwendigkeit, die beiden Volksfeste aus finanziellen Gründen im jährliche Wechsel stattfinden zu lassen. Nach mehreren Gesprächen verabredeten und einigten sich unsere Schützenbruderschaft und der Jägerverein im November 1975 auf die Ausrichtung des Festes als „Neheimer Volksfest", das im jährlichen Wechsel von Schützen und Jägern auszurichten sei. In der Vereinbarung sichern sich beide Vereine volle und gegenseitige Unterstützung zu. Ihre Mitglieder nehmen daher sowohl am Hauptfestzug am Sonntag als auch an den kleinen Festzügen zum Vogel- bzw. Stern-Aufsetzen am Samstag sowie dem Vogel- bzw. Stern-Abschießen am Montag teil.

Die Vereinbarung wurde zunächst für einen Zeitraum von vier Jahren geschlossen, sollten keine Einwände dagegen vorliegen mit weiteren Verlängerungen um jeweils 4 Jahre. Auch heute noch ist die Vereinbarung gültig. Nur einmal wurde der Folgerhythmus der Feste wegen des 375-jährigen Jubiläums der Schützenbruderschaft im Jahre 1982 und des 150-jährigen Jubiläums des Jägervereins 1984 geändert. So feierten die Jäger ihre Feste 1980 und 1981 und die Schützen 1982 und 1983 jeweils hintereinander.

Die 1976 eingeführte Regelung des jährlichen Wechsels hat sich gut bewährt und lässt den Schützen und Jägern optimalen Spielraum zur Gestaltung ihrer Feste. Nachdem in den Jahren 1983 anlässlich des Stadtjubiläums, 1985 unter Federführung des Heimatbundes und 1997 vor dem Schützenfest bereits volkstümliche Heimatabende stattgefunden hatten, nahmen der Jägerverein und die Schützenbruderschaft die Idee solcher Auftaktveranstaltungen für den Freitagabend wieder auf. Diese Veranstaltungen sind inzwischen voll in das Festprogramm beider Vereine integriert und finden ebenfalls im jährlichen Wechsel und unter verschiedenen Mottos wie z.B. „Rheinischer Abend", „Bayrischer Abend", „Wunschkonzert" usw. statt. Musikkapellen, Speisen und Getränke entsprechen jeweils dem Motto des Abends und sorgen für besondere Atmosphäre und Einstimmung auf das folgende Volksfest.

Die große Bedeutung des Neheimer Volksfestes für Stadt und Region ist auch ablesbar aus der Berichterstattung in den Medien. Alle Tageszeitungen sowie die Wochenzeitungen der Region berichten vor den Festen schon über die Planungen und liefern während des Festes aktuelle Berichte. So erstellt z.B. die Westfalenpost und Westfälische Rundschau schon wenige Stunden nach dem Vogelschießen eine Sonderseite über den neuen König und seine Königin. Nach den Festen wird über dies hinaus ausführlich über die täglichen Festereignisse und Schützenfest-„Splitter" berichtet.

Auch der Rundfunk zeigt sich stets interessiert. So berichtet Radio Sauerland regelmäßig am Schützenfestsamstag live aus der Fußgängerzone oder vom Festzelt aus. Dabei sorgen Musikkapellen mit Blasmusik oder Tambourklängen oder auch Jazz-Formationen wie 1997 vom Franz-Stock-Gymnasium für Abwechselung und gute Laune.

Kleine Schützenfeste und Bildungsfahrten

In der Satzung der Schützenbruderschaft ist die Regelung verankert, der Gemeinschaft verpflichtet zu sein und damit auch Veranstaltungen für sie durchzuführen. Eine der Gemeinschaftsveranstaltungen in größerem Umfange ist bekanntlich das Schützenfest. Dessen jährliche Durchführung ist nun auf Grund der Vereinbarung mit dem Jägerverein seit 1976 nicht mehr gewährleistet. In gemeinsamer Abstimmung durch die Schützenmitglieder wurde daher beschlossen, im Jahr des Jägerfestes ein „kleines Schützenfest" am Schützen- und Keglerzentrum in der Jahnallee zu feiern. Dies war laut Vereinbarung mit dem Jägerverein möglich. „Kleine Schützenfeste" wurden in den Jahren 1976, 1978 (unter dem Festzelt der Bergheimer Siedlergemeinschaft, welches für 1.200 DM angemietet worden war) und 1980 gefeiert; leider in allen Jahren mit geringer Beteiligung, obschon die Schützenbruderschaft für festmäßige Ausstattung der Veranstaltungen gesorgt hatte.

Mit den ersten Überlegungen für eine alle zwei Jahre stattfindende Ersatzveranstaltung wurde das „kleine Schützenfest" somit wieder aus dem Jahresprogramm gestrichen. Statt dessen sollten Städtetouren als Bildungsfahrten ins Programm genommen und den Mitgliedern der Schützenbruderschaft angeboten werden.

Skeptiker dieses neuen Angebotes zweifelten unnötig:

Das Interesse an den Fahrten war und ist immer noch groß, so dass sie in jedem Jahr frühzeitig ausgebucht sind. Ziele im In- und Ausland wurden in den vergangenen Jahren angefahren. Dazu gehörten Bremen, Würzburg, Kiel, Bamberg / Kulmbach, Elsaß, Brügge / Gent, Prag, Berlin, Passau, Schwerin und zuletzt in 2006 Naumburg / Saale. Diese Fahrten wurden anfangs mit der Bundesbahn, später dann mit Reisebussen heimischer Firmen unternommen.

Den stets umfangreichen Vorbereitungen für die Durchführung und Gestaltung der Fahrten nahmen sich Hermann und Dietlind Griesenbrock höchst verdienstvoll an. Sie versorgen die Teilnehmer über dies hinaus mit sorgfältig erstellten Broschüren, die Informationen und Wissenswertes über das jeweilige Reiseziel enthalten.

Jede Fahrt hat ihre Höhepunkte!

In besonderer Erinnerung bleiben wird den Reisenden die Fahrt nach Prag am 21. bis 24. Mai 1998, die auch von der ehemaligen Schützenkönigin Dr. Daniela Kocenda mitorganisiert wurde. Als gebürtige Pragerin besaß sie Orts- und Sprachkenntnisse und zeigte der Reisegruppe neben den Sehenswürdigkeiten aus dem offiziellen Touristenprogramm auch weniger Bekanntes in der Prager Innenstadt und ihrer Umgebung. So konnten beispielsweise alte Jugendstilbauten und stilvoll gestaltete Gartenanlagen bewundert werden.

Schon während der Anreise nach Prag besichtigte die Gruppe das bekannte Marienbad, wo auch – die Mitgereisten werden sich erinnern! – der von Neheim aus organisierte Geldwechsel unter Polizeischutz stattfand. Die Schützenbruderschaft als Veranstalter ist froh, dass jede der oben erwähnten Reisen ohne nachteilige Zwischenfälle durchgeführt werden konnte.

Bundes- und Kreisschützenfeste

Regelmäßig finden Bundesschützenfeste und Kreisschützenfeste statt. Im September 1962 errang unser Schützenbruder Willi Beckmann beim Schießwettbwerb in Werl die Königswürde und wurde Bundesschützenkönig des Bundes der Historischen Deutschen Bruderschaften. 1963 konnte Erich Wertschulte als Kreisschützenkönig ausgezeichnet werden. Die Idee, das Kreisschützenfest 1996 in Neheim zu veranstalten, wurde erstmals im Jahre 1993 näher vom Vorstand diskutiert. Die Durchführung dieses umfangreichen Festes scheiterte jedoch daran, dass die vom Kreisvorstand geforderten rund 4.000 Sitzplätze nicht zu organisieren waren.

Europa-Schützenfeste

Im Abstand von drei Jahren finden die Europa-Schützenfeste statt, die von der Europäischen Gemeinschaft der Schützen (EGS) organisiert werden und zu denen Schützen aus vielen Nationen erscheinen. Feste, an denen unsere Bruderschaft mit einer Abordnung teilgenommen hat, wurden z.B. in Valkenburg (Niederlande), Genk (Belgien), Medebach und Lippstadt ausgerichtet. Hier fand mit rund 30.000 Schützen und 80.000 Gästen aus insgesamt zwölf Nationen 1987 eines der größten Europa-Schützenfeste statt. Die Frage, ob Schützenfeste noch zeitgemäß sind, taucht immer wieder auf. Schon in den frühen achtziger Jahren äußerte sich Alfred Redecker, Redakteur der Westfalenpost, zu diesem Thema und kam nach Bewertung aller kritischen Fragen zu dem Schluss:

„Schützenfest ist die über den Alltag hinaus verbindende Mitte. Es kommt dabei nicht so sehr auf die äußeren Formen, sondern auf den Wert des Volksfestes an. Der Sinn des Schützenfestes, gleich ob man sich über die Formen seines Ablaufs streitet, liegt letztendlich darin, dass es die Menschen dieses Lebensraumes ohne Unterschied von Rang, Namen und Interessen zu einigen Stunden der Fröhlichkeit zusammenführt. Man mag über die Modernisierung solchen Festbrauchtums nachdenken und um neue Wege bemüht sein, um auch junge Menschen verstärkt anzusprechen – solange das Schützenfest sich mit Fug und Recht als Volksfest erweist, solange es Menschen beisammen sieht, deren Wege der Alltag trennt, – solange hat es seinen Sinn."

Dem ist nichts hinzuzufügen.